Ein Zentimeter fehlt Irene Holle noch zum Weltrekord.

Düren: Ein einziger Zentimeter trennt Irene Holle vom Weltrekord im Kirschkernweitspucken. Sechs Mal hat sie schon den Weltmeistertitel bei der fruchtigen Gaudi auf dem Dürener Annakirmesplatz errungen, aber der fehlende Zentimeter stachelt sie jedes Jahr wieder zum Mitmachen an.

Das erste Mal mitgemacht hat die gebürtige Niederziererin 2008 und wurde Dritte in der Rangfolge der Kirschkernweitspuck-Weltmeisterinnen. „Dann kitzelt das natürlich, und man will mehr erreichen“, sagt sie schmunzelnd. Deshalb machte sie 2009 wieder mit und errang auf Anhieb den Titel, den sie erfolgreich jedes Jahr verteidigte, lediglich 2014 und 2015 gab es Unterbrechungen in der Erfolgsstory.

Wenn Irene Holle spuckt, setzt sie vor allen Dingen auf ihre Zunge. Diese kunstgerecht zu rollen und den Kern mit Zungenmuskelkraft wie einen Kaugummi möglichst weit weg schnalzen, das ist ihre Technik, an der sie jeweils kurze Zeit vor den Wettbewerben am ersten Tag der Annakirmes zu feilen beginnt. Dabei hat sie keinen festen Plan, wie sie vorgeht. „Ich lass mir Zeit“, sagt sie, checkt die Gegebenheiten ab und entscheidet dann spontan, ob sie von oben spuckt oder von unten. Wichtig ist nur, dass der Kern auf der Bahn bleibt und beim Losspucken nicht übertreten wird. Das sind so ziemlich die einzigen Regeln dieser kernigsten aller Weltmeisterschaften, die wie so viele gute Einfälle als Schnapsidee bei einem oder mehreren Glas Bier geboren wurde. Verboten ist allerdings auch noch, sich bereits rund gelutschte Kerne von zu Hause mitzubringen.

Das Kirmesteam um Platzmeister Achim Greiff kauft mehrere Kisten der „Kirmeskirschen“ samstagsmorgens frisch auf dem Markt, die nachmittags während des Wettbewerbs von den Sportlern bis auf den Kern verspeist werden. Der Kern wird dann noch sauber gelutscht. Wie sauber er ist, interessiert Irene Holle allerdings weniger. Sie setzt wie gesagt mehr auf Kraft als auf Windschlüpfrigkeit des Kerns, wie andere das tun. Aber sie behält ihn ebenfalls lange im Mund, „um ein Gefühl für Größe und Beschaffenheit des Kerns zu bekommen“, denn keine Kirsche ist wie die andere. „Aber lecker sind sie alle!“, lobt Irene Holle. Im Jahr 2012 erzielte sie mit 15 Meter 23 Zentimeter die bis jetzt beste von ihr erzielte Weite, die nach dem Ausrollen des Kerns gemessen wird. Wie gesagt, ein Zentimeter mehr, und der Weltrekord ist gebrochen. Der wird mit 15,24 Metern bislang  seit 2003 von einer Schweizerin gehalten. „Den Zentimeter möchte ich natürlich noch knacken!“, meint Irene Holle nachdrücklich.  

Aber auch, wenn sie nicht erste wird oder Weltrekorde bricht, ist Irene Holle mit großer Freude jedes Jahr wieder dabei. „Die Veranstaltung ist witzig, es wird nicht alles bierernst genommen, die Stimmung ist gut.“ Es herrscht eine ganz besondere Atmosphäre auf dem Gelände des Hundesportlatzes neben dem Annakirmesplatz, wo der Wettbewerb traditionell am ersten Kirmessamstag von 15 Uhr bis 17 Uhr ausgetragen wird.

Kinder, Schwester und Freunde von Irene Holle sind mit dabei und feuern sie an. Wird der erste mit 100 Euro dotierte Preis „erspuckt“, oder der zweite mit 50 Euro belohnte Platz, wird das Preisgeld anschließend im Handumdrehen auf der Kirmes ausgegeben, am Backfischstand und im Biergarten. Höher hinaus auf die hohen Fahrgeschäfte zieht es Irene Holle nicht. Auch als Kirmesgängerin beweist sie Bodenhaftung, die sie beim Kirschkernweitspucken gekonnt einsetzt.

Wer mit anfeuern oder selber teilnehmen möchte, sollte sich am Samstagnachmittag, dem 29. Juli, 15 Uhr, auf dem Hundesportplatz neben dem Annakirmesplatz  einfinden, denn Zuschauen oder Mitspucken macht Spaß.

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