Aachen: Der Klimawandel und seine teils massiven Auswirkungen werden auch in Deutschland immer deutlicher sicht- und spürbar. Dabei sind „Hitzetage“ mit über 30 Grad am Tag oder „Tropennächte“ mit nachts über 20 Grad und die damit verbundenen gesundheitlichen Belastungen das größte singuläre Risiko, dem Menschen schon heute ausgesetzt sind und in Zukunft noch stärker sein werden: Jährlich sterben Tausende an den Folgen – auch in Deutschland. Dies zeigen entsprechende Studien wie zum Beispiel die des Umweltbundesamtes von 2025 oder die laufend erhobenen Daten des Robert Koch Instituts (RKI).

Wissen über Gefahren der Hitze oft nicht ausreichend

Während der immer häufigeren und längeren Hitzeperioden wird das Gesundheitssystem und damit die gesamte Gesellschaft durch erhöhte Gesundheitsbelastungen, steigende Krankenhauseinweisungen und vermehrte Rettungseinsätze zusätzlich belastet. Menschen werden in ihrer Produktivität und ihrem Wohlbefinden eingeschränkt. Trotz dieser massiven Gesundheitsrisiken ist Deutschland, speziell das deutsche Gesundheits- und Sozialsystem, noch nicht ausreichend auf Hitzeperioden vorbereitet. Auch das Bewusstsein und das Wissen über die Gefahren der Hitze und wie besonders gefährdete Personen am besten zu schützen sind, ist oft nicht ausreichend.

Um den Hitze- und Gesundheitsschutz stärker in den Fokus zu rücken und das Wissen in der Bevölkerung zu stärken, wurde der bundesweite Hitzeaktionstag ins Leben gerufen, der in diesem Jahr morgen, am Donnerstag, 11. Juni, stattfindet (https://hitzeaktionstag.de). Eine der Forderungen der Initiatoren: Den Hitzeschutz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrnehmen.

Hitzeschutz als kommunale Daseinsvorsorge und Fürsorgepflicht

Die Stadt Aachen hat diese Verantwortung als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge und der Fürsorgepflicht – zum Beispiel bei Kindern und Jugendlichen in KiTas und Schulen und für Mitarbeitende – früh erkannt. Im gesamtstädtischen „Klimafolgenanpassungskonzept Aachen“ von 2018 (KAK) wurden bereits wichtige Hitzevorsorgemaßnahmen wie der Erhalt von Kaltluftschneisen, die Entsiegelung und Begrünung von Flächen, Dach- und Fassadenbegrünungen, Baumpflanzungen, das Offenlegen von Bächen, Trinkwasserbrunnen und die Kommunale Hitzeaktionsplanung verankert. Der Fachbereich Klima und Umwelt hat deshalb 2022 begonnen, systematisch einen „Aachener Hitzeaktionsplan“ (AHAP) zu erarbeiten und schrittweise konkrete Maßnahmen zum Hitzeschutz und zur Vorsorge mit den jeweils zuständigen Fachbereichen abzustimmen.

So wurden in den letzten Jahren in den Fachbereichen Jugend und Schule, KiTa und Kindertagespflege, Sicherheit und Ordnung und dem Stadtbetrieb die Mitarbeitenden im Frühjahr und unmittelbar vor Hitzetagen aktiv zur Hitze- und UV-Vorsorge informiert: Wie schütze und sorge ich für Kinder und Jugendliche, wie schütze ich mich selbst? Für die Mitarbeitenden, die überwiegend im Freien tätig sind, wie beispielsweise die Teams des Ordnungsamtes, der Müllabfuhr, der Stadtreinigung und der Grünunterhaltung, wurde geeignete Arbeits- und UV-Schutzkleidung beschafft und der Hitze- und UV-Schutz im betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz integriert.

Seit Anfang 2025 koordinieren Dipl.-Ing. Jens Hasse, Klimavorsorgemanager der Stadt, und Dr. Daniel Kelterbaum, Abteilungsleiter für Immissions- und Klimaschutz, gemeinsam die weitere Ausarbeitung und Entwicklung des AHAP. Dabei werden alle relevanten Fachbereiche und Eigenbetriebe in den gesamtstädtischen Prozess eingebunden. Gemeinsam mit dem Fachbereich Kommunikation und Stadtmarketing, der auch die Hitzevorsorge-Seiten unter www.aachen.de/hitze betreut, haben die beiden AHAP-Koordinatoren ein System zur frühzeitigen Hitzewarnung aufgebaut, das die Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) aufgreift. Zielgruppen sind die Bevölkerung und die Öffentlichkeit, aber auch die städtischen Mitarbeitenden.

Eine weitere wichtige Maßnahme im Rahmen des AHAP ist das Fachbereichs übergreifende Projekt „Hitzeschutz auf Außenflächen von Schulen und Kindergärten“, das die zuständigen Fachbereiche und Eigenbetriebe gemeinsam seit Anfang 2025 bearbeiten – koordiniert vom Dezernat Klima und Umwelt, Stadtbetrieb und Gebäude. Zur Vorbereitung wurde ein Maßnahmenkatalog mit Standard-Hitzeschutzmaßnahmen wie Begrünung, Entsiegelung, Verschattung, ein Leitfaden zur Erfassung und Analyse der einzelnen Standorte erarbeitet. Bei Pilot-Begehungen in mehreren Schulen und KiTas wurden damit wichtige Erkenntnisse gesammelt. Insgesamt wurden bisher bereits 25 Standorte erfasst und für vier Objekte Förderanträge bei der „Zukunftsregion Rheinisches Revier“ eingereicht.

Die „Karte der Kühlen Orte“

Bereits im Sommer 2025 konnte der der Fachbereich Klima und Umwelt in Kooperation mit dem Fachbereich Geodaten eine „Karte der Kühlen Orte“ auf www.aachen.de/hitze veröffentlichen. Hier finden die Menschen in Aachen kühle Orte – in Parks, unter großen Bäumen, in Museen oder auch Kirchen – und haben auch die Möglichkeit, eigene „Kühle Orte“ zu benennen. Durch diese Zusammenarbeit und Beteiligung entsteht gemeinsam mit der Stadtgesellschaft eine Karte, die auch zur Verbreitung von Wissen über Hitze und das richtige Verhalten in diesen Extremsituationen beiträgt.

Eine wichtige Rolle im Hitzeschutz spielt auch die sogenannte „Bodenkühlleistung“ und das Entsiegeln und Begrünen von Flächen, gerade in dicht besiedelten Stadtteilen: Offene Böden und begrünte Flächen speichern weniger Wärme als Asphalt oder Beton und sorgen durch die Verdunstung von Wasser aus Boden und Pflanzen für natürliche Abkühlung. So verbessern sie das Mikroklima und wirken der Aufheizung verdichteter Räume entgegen.

„abpflastern“

Der bundesweite Wettbewerb „abpflastern“ der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung Koblenz setzt genau hier an: Er ruft dazu auf, versiegelte Flächen zu entfernen und anschließend zu begrünen – grün statt grau. Vorbild ist die niederländische Initiative „Tegelwippen“, die sich seit Jahren für mehr entsiegelte und bepflanzte Flächen in Städten einsetzt. Ziel des Wettbewerbs ist es, gemeinsam einen Beitrag zur Klimaanpassung und zu lebenswerteren Städten zu leisten. Teilnehmen können Einzelpersonen, Nachbarschaften, Schulen, Kommunen, Unternehmen und Vereine. Entsiegelte Flächen können online registriert werden und werden der jeweiligen Kommune zugeordnet. Die Gewinnerinnen und Gewinner der jeweiligen Liga werden zum Saisonabschluss am 31. Oktober 2026 bekanntgegeben. Weiterführende Infos zum Wettbewerb unter www.abpflastern.de.

Praxisnahes Beispiel für Entsiegelung

Die Stadt Aachen, in Zusammenarbeit mit der StädteRegion Aachen, begrüßt das Engagement in diesem Wettbewerb ausdrücklich. Die Verwaltung sieht in Initiativen wie „abpflastern“ einen wichtigen Beitrag zum vorsorgenden Bodenschutz und zu einer klimavorsorgenden Stadtentwicklung. Bereits seit Jahren verfolgt die Stadt Aachen daher Maßnahmen zur Reduzierung von Flächenversiegelung und zur Entsiegelung bestehender Flächen. Dazu zählen unter anderem städtebauliche Projekte, das Brachflächen-Entsiegelungskataster sowie gezielte Maßnahmen an kommunalen Einrichtungen. Das wohl prominenteste Beispiel in der Aachener Innenstadt ist der Büchel: Dort wurde in den letzten Jahren bereits gezeigt, welchen Mehrwert die Umwandlung von einem Parkhaus zu einer Grünfläche bietet. Weitere Maßnahmen, wie das Brachflächen-Entsiegelungskataster, sind eher unbemerkt und struktureller Natur. Praxisnäher geht es der Aachener Stadtbetrieb an: In einer Kooperation mit Schülerinnen und Schülern der 4. Aachener Gesamtschule haben Auszubildende des Stadtbetriebs im Herbst 2025 Teile des Schulhofs entsiegelt und bepflanzt. Aber auch private Grundstücke spielen eine wichtige Rolle, da ihre Begrünung das Stadtklima nachhaltig verbessern kann.

Die Stadt befürwortet daher alle Aktivitäten, die auf eine Entsiegelung und nachhaltige Begrünung abzielen. Zur Unterstützung interessierter Bürgerinnen und Bürger gibt es praktische Hinweise und fachliche Empfehlungen der Verwaltung für die kleinflächige private Entsiegelungen unter: www.aachen.de/entsiegeln.

Neben der städtischen Klimaanalyse, der umfassenden Kommunikation zur Klimavorsorge, den Aktivitäten der Stadt zur Hochwasservorsorge, dem kommunalen Starkregenmanagement und der Grün- und Gestaltungssatzung stellt die Aachener Hitzeaktionsplanung einen wesentlichen Teil eines neuen Klimavorsorgekonzepts der Stadt Aachen dar.

Der aktuelle Stand des städtischen Hitzeaktionsplanungsprozesses (AHAP) wurde, wie jedes Jahr im Frühsommer, in der letzten Sitzung des Ausschusses für Klima und Umwelt am Dienstag, 9. Juni, vorgestellt.

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