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Sie stehen an jeder Ecke, werden per App entsperrt und sollen eigentlich eine unkomplizierte Alternative für kurze Wege sein. Doch E-Scooter sorgen zunehmend für Ärger und Sicherheitsprobleme auf Deutschlands Straßen. Falsch abgestellte Roller, Fahrten auf Gehwegen, Alkohol am Lenker und riskante Fahrmanöver prägen vielerorts das Bild. Kritiker sprechen inzwischen von einer regelrechten „Anarchie auf den Straßen“. Die aktuellen Unfallzahlen zeigen zumindest, dass die Diskussion nicht aus der Luft gegriffen ist.

Fast 16.500 Unfälle mit Verletzten oder Toten

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2025 bundesweit 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden registriert. Das entspricht einem Anstieg von 38,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Bilanz ist alarmierend: 38 Menschen kamen bei E-Scooter-Unfällen ums Leben, 1.895 Menschen wurden schwer und 16.184 leicht verletzt. Mehr als die Hälfte der Verunglückten war jünger als 25 Jahre.

Dabei spielen E-Scooter insgesamt zwar weiterhin eine kleinere Rolle als beispielsweise Fahrräder. Ihr Anteil an allen Verkehrsunfällen mit Personenschaden lag 2025 bei 5,5 Prozent. Die Entwicklung zeigt jedoch deutlich nach oben.

Das größte Problem: Falsche Straßenbenutzung

Die häufigste festgestellte Fehlverhaltensweise war laut Statistik die falsche Benutzung von Fahrbahn oder Gehwegen. 21,6 Prozent der verunglückten E-Scooter-Fahrerinnen und -Fahrer waren mit diesem Fehlverhalten auffällig.

Dabei gelten klare Regeln: E-Scooter müssen vorhandene Radverkehrsanlagen nutzen. Das Fahren auf Gehwegen ist grundsätzlich nicht erlaubt. Gibt es keine geeignete Radverkehrsanlage, müssen E-Scooter auf der Fahrbahn beziehungsweise – soweit zulässig – auf dem Seitenstreifen fahren.

Für Fußgänger kann das zum erheblichen Problem werden. Wer plötzlich von hinten von einem lautlosen E-Scooter überholt wird, kann erschrecken oder ausweichen müssen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder und Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

Alkohol: Der Roller ist kein Spielzeug

Ein weiterer Punkt sorgt bei Polizeikontrollen regelmäßig für Kopfschütteln: Alkoholfahrten.

Bei 10,9 Prozent der E-Scooter-Fahrer wurde 2025 bei Unfällen mit Personenschaden Alkoholeinfluss als Fehlverhalten festgestellt. Damit lag der Anteil sogar über dem entsprechenden Wert bei Fahrradfahrenden.

Der E-Scooter wird offenbar von manchen Nutzern noch immer nicht als vollwertiges Kraftfahrzeug wahrgenommen. Genau das kann gefährlich werden.

Wer nach einer Feier auf den Roller steigt, riskiert nicht nur einen Sturz. Je nach Alkoholwert und Umständen können strafrechtliche Konsequenzen, Führerscheinprobleme und erhebliche weitere Folgen entstehen.

Zu zweit unterwegs? Verboten!

Auch das sogenannte „Doppelfahren“ gehört zum Straßenbild vieler Städte: Eine Person lenkt, eine zweite steht auf dem Trittbrett.

Doch E-Scooter sind nur für eine Person zugelassen. Das Mitnehmen weiterer Personen ist nicht erlaubt. Trotzdem waren 2025 bei 822 der verunglückten Personen Mitfahrerinnen oder Mitfahrer auf einem E-Scooter. Das entsprach 5,5 Prozent der Verunglückten.

Was für manche nach Spaß aussieht, kann die Kontrolle über den Roller erheblich erschweren – insbesondere beim Bremsen, Ausweichen oder bei Unebenheiten.

38 Tote innerhalb eines Jahres

Besonders deutlich wird das Problem beim Blick auf die Todesopfer. 38 Menschen starben 2025 bei E-Scooter-Unfällen, nachdem es 2024 noch 27 Todesopfer gegeben hatte.

33 der 38 Getöteten waren selbst mit einem E-Scooter unterwegs. Drei getötete Personen waren zu Fuß unterwegs, eine auf dem Fahrrad und eine im Auto.

E-Scooter-Unfälle sind also keineswegs ausschließlich ein Problem der Fahrer selbst. Auch andere Verkehrsteilnehmer können betroffen sein.

Besonders gefährlich: Zusammenstöße mit Fußgängern

Ein Blick auf die Unfallursachen macht die Situation noch deutlicher. Bei Zusammenstößen zwischen E-Scootern und Fußgängern lag die Hauptschuld in 88,7 Prozent der Fälle beim E-Scooter-Fahrer, so die Auswertung des Statistischen Bundesamtes.

Auch bei Unfällen mit Fahrrädern lag die Hauptschuld in 74,3 Prozent der Fälle beim E-Scooter-Fahrer. Bei Zusammenstößen mit Autos waren es dagegen 38,1 Prozent.

Das zeigt: Nicht jeder Unfall ist automatisch die Schuld des E-Scooter-Fahrers. Dennoch fällt insbesondere bei Konflikten mit schwächeren Verkehrsteilnehmern eine hohe Verantwortungsquote auf.

Abgestellte Roller werden zur Stolperfalle

Ein weiteres Ärgernis sind E-Scooter, die nach der Fahrt mitten auf Gehwegen, vor Hauseingängen, auf Radwegen oder an Bushaltestellen abgestellt werden.

Für Menschen mit Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl können solche Hindernisse zu einem echten Problem werden. In einigen Städten wurden deshalb bereits feste Abstellflächen und Sammelparkplätze eingeführt.

Die Verkehrsunfallstatistik des Bundes berücksichtigt solche Behinderungen durch abgestellte Roller allerdings nicht.

Mehr Kontrollen – oder strengere Regeln?

Die steigenden Unfallzahlen werfen deshalb eine grundsätzliche Frage auf: Reichen die bestehenden Regeln und Kontrollen aus?

Polizei und Kommunen stehen vor der Herausforderung, Verstöße konsequenter zu verfolgen. Gleichzeitig muss auch die Infrastruktur berücksichtigt werden. Wo sichere Radwege fehlen, geraten unterschiedliche Verkehrsteilnehmer zwangsläufig häufiger aneinander.

Mögliche Maßnahmen könnten sein:

  • konsequentere Kontrollen von Gehwegfahrten
  • härteres Vorgehen gegen Alkoholfahrten
  • konsequente Ahndung des Fahrens zu zweit
  • bessere Kennzeichnung von Radverkehrsanlagen
  • feste Abstellflächen für Leihroller
  • stärkere Verkehrserziehung an Schulen
  • technische Lösungen gegen falsches Abstellen

E-Scooter sind nicht das Problem – rücksichtslose Nutzung schon

Trotz aller Kritik sollte eines nicht vergessen werden: Der E-Scooter selbst ist nicht automatisch gefährlich. Entscheidend ist, wie damit umgegangen wird.

Wer nüchtern fährt, Verkehrswege einhält, Geschwindigkeit anpasst, Rücksicht auf Fußgänger nimmt und den Roller korrekt abstellt, kann das Verkehrsmittel problemlos nutzen.

Doch angesichts von fast 16.500 Unfällen mit Personenschaden und 38 Todesfällen im Jahr 2025 kann die Entwicklung nicht einfach ignoriert werden.

Fazit

E-Scooter sind längst Bestandteil des deutschen Straßenverkehrs. Gleichzeitig zeigt die Unfallentwicklung, dass bei Regelbewusstsein, Kontrolle und Rücksichtnahme noch erhebliches Verbesserungspotenzial besteht.

Die viel beschworene „Anarchie auf den Straßen“ mag eine zugespitzte Beschreibung sein. Die zunehmende Zahl von Unfällen, Alkoholfahrten, Gehwegfahrten und riskantem Verhalten ist dagegen statistisch belegbar.

Am Ende geht es nicht darum, E-Scooter aus den Städten zu verbannen. Es geht darum, dass aus moderner Mobilität keine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer wird.

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