Herzogenrath: Für die Fahrgäste im Raum Aachen, Stolberg, Eschweiler, Herzogenrath, Alsdorf, Würselen, Langerwehe und Düren zeichnet sich ein neues Zeitalter der öffentlichen Mobilität am Horizont ab: Perspektivisch werden auf dem Netz der EVS EUREGIO Verkehrsschienennetz GmbH leistungsfähigere und klimafreundlichere Fahrzeuge unterwegs sein. Möglich macht das eine Millionen-Förderung des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und Landesverkehrsminister Oliver Krischer gaben heute mit einem symbolischen Spatenstich den offiziellen Startschuss für die kürzlich gestarteten Arbeiten.
„Elektrifizierungen sind eine bedeutende Säule in der Förderung und für den Ausbau des Schienenpersonennahverkehrs“, sagte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder im Rahmen seines Grußworts. „Ein leistungsfähiger Schienenpersonennahverkehr leistet nicht nur in den Metropolen, sondern auch im ländlichen Raum einen spürbaren Beitrag für die Mobilität der Menschen. Solche Maßnahmen zu unterstützen, ist mir persönlich und der gesamten Bundesregierung ein Anliegen.“
In der anschließenden Talkrunde betonte Oliver Krischer, NRW-Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr: „Elektrische Züge sind umweltfreundlicher, leiser und verlässlicher. Dass wir die Förderung des Bundes für die Elektrifizierung des EVS-Netzes ergänzen können, freut mich sehr. Die Fahrgäste der euregiobahn werden einen spürbaren Vorteil haben. Mehr Umweltschutz, mehr Zuverlässigkeit: Das sind gute Argumente, die Menschen zum Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr zu bewegen.“
Von den geplanten Gesamtkosten in Höhe von 46,3 Millionen Euro übernimmt der Bund im Rahmen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes den Löwenanteil mit 90 Prozent der Förderung. Das Land bezuschusst die Maßnahme mit einem Anteil von fünf Prozent. Gemeinsam steuern Bund und Land 42,8 Millionen Euro bei. Den Rest finanziert die EVS aus Eigenmitteln.
47 Kilometer, 21 Haltepunkte
Das Netz der EVS, auf dem die euregiobahn (RB 20) verkehrt, umfasst aktuell eine Gesamtlänge von etwa 47 Kilometern und 21 Haltepunkte. Es schließt an das überregionale DB-Netz an. Mit der geplanten Errichtung einer Oberleitung an den drei Strecken des Grundnetzes und dem Einbau der notwendigen technischen Ausstattung können perspektivisch auf dem EVS-Netz Elektrozüge verkehren. Diese sind nicht nur lokal emissionsfrei unterwegs, sondern bieten durch ihre Sprintstärke auch die Möglichkeit, Fahrzeiten zu verkürzen und eventuelle Verspätungen zu kompensieren.
Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier: „Strom statt Diesel wird schon bald das Motto auf den Strecken in der StädteRegion Aachen sein. Das vereint ökologische Verantwortung mit ökonomischer Weitsicht. Denn im Betrieb sind Elektrozüge sowohl sparsamer als auch schneller und umweltfreundlicher. Deshalb danke ich Bund und Land für die sehr wichtige und zukunftsorientierte Förderung. Ich bin sicher, die EVS und go.Rheinland werden auch künftig alles dafür tun, auf der Schiene hochspannende Entwicklungen voranzutreiben.“
go.Rheinland plant und bestellt als Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in der Region Köln – Bonn – Aachen auch die Nahverkehrs-Leistungen auf dem EVS-Netz. go.Rheinland-Geschäftsführer Dr. Norbert Reinkober: „43 Millionen Euro von Bund und Land werden helfen, den Nahverkehr im Raum Aachen und in der Städteregion auf ein neues Level zu heben. Dankbar bin ich auch der EVS, die die Elektrifizierung mit einem Eigenanteil von rund 3,5 Millionen Euro mitfinanziert. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Profitieren werden die Fahrgäste, denn sie dürfen nach der Elektrifizierung mit einem besseren Angebot auf der Schiene rechnen.“
EVS-Geschäftsführer Thomas Fürpeil blickte im Rahmen der Talkrunde zurück und voraus: „Es gab dicke Bretter zu bohren, damit hier zum Jahresbeginn die Bagger anrollen konnten. Die Verfügbarkeit an Baufirmen, die solche Projekte stemmen können, ist klein. Daher bin ich sehr stolz, dass der Baubeginn nun gestartet ist. Wir sind zuversichtlich, die Elektrifizierungsarbeiten der Ringbahn bis Dezember 2028 erfolgreich abschließen zu können.“
Was ist geplant?
Die Planungen sehen vor, nach der Elektrifizierung des Grundnetzes (umfasst die Strecken Herzogenrath – Stolberg Hbf (Ringbahn), Stolberg Hbf – Langerwehe (Eschweiler Talbahn) und Stolberg Hbf – Stolberg Altstadt) auch das Erweiterungsnetz zu elektrifizieren. Also die Streckenabschnitte, die sich derzeit in der Reaktivierung befinden: der Abschnitt Stolberg Altstadt nach Breinig und die Strecke bis Aldenhoven-Siersdorf. Hierzu haben EVS und go.Rheinland bereits gemeinsam eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung (vereinfachtes Verfahren im Rahmen der Standardisierten Bewertung) durchführen lassen, welche ein positives Gesamtergebnis im Rahmen einer Förderung über das GVFG (Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz) hervorgebracht hat.
Betrieblich soll auch in Zukunft am bewährten Flügelkonzept der RB 20 festgehalten werden. Dank der Elektrifizierung wird es dann auch möglich sein, zusätzliche Haltepunkte wie Aachen-Richterich und Eschweiler-Aue in den Linienweg der RB 20 zu integrieren.