Jülich: Die Stadtwerke Jülich gehen verstärkt gegen illegalen Wasserbezug vor. In den vergangenen Tagen entdeckten und beschlagnahmten Mitarbeiter mehrere unerlaubt genutzte Standrohre, mit denen offenbar Wasser direkt aus dem öffentlichen Leitungsnetz entnommen wurde.

Nach Einschätzung der Stadtwerke könnte das gestohlene Trinkwasser unter anderem zum Befüllen privater Pools oder für andere private Zwecke genutzt worden sein. Sicher ist vor allem eines: Die illegale Entnahme ist kein Kavaliersdelikt.

„Wer ohne Erlaubnis Wasser aus dem öffentlichen Leitungsnetz entnimmt, begeht Diebstahl“, betont Michael Niedbal, Teamleiter Messstellenbetrieb der Stadtwerke.

Die Kosten tragen am Ende alle

Wasserdiebstahl hat nicht nur rechtliche Folgen für die Täter – er verursacht auch finanzielle Schäden, die letztlich die Allgemeinheit treffen können.

Jeder illegal entnommene Liter Wasser wurde zuvor:

  • gefördert
  • aufwendig aufbereitet
  • kontrolliert
  • ins Leitungsnetz eingespeist

Diese Prozesse verursachen Kosten für Energie, Personal, Wartung und Infrastruktur. Wird Wasser gestohlen, entstehen Verluste, die die Versorgungsunternehmen ausgleichen müssen.

Das bedeutet: Am Ende zahlen indirekt alle Verbraucher mit.

Neben dem reinen Wasserverlust entstehen zusätzliche Kosten durch:

  • Ermittlungen
  • Kontrollen
  • technische Prüfungen
  • Reparaturen am Netz
  • neue Sicherheitsmaßnahmen

Gerade in Zeiten steigender Energie- und Betriebskosten wiegt jeder Missbrauch schwer.

Gefahr für die Trinkwasserqualität

Noch gravierender als der finanzielle Schaden ist jedoch das Risiko für die öffentliche Gesundheit.

Besonders alarmierend: Bei den sichergestellten Billig-Standrohren fehlte der gesetzlich vorgeschriebene Systemtrenner. Dieses Sicherheitsbauteil verhindert, dass verunreinigtes Wasser zurück in das öffentliche Trinkwassernetz fließt.

Fehlt dieser Schutz, droht im schlimmsten Fall eine Rückverkeimung des gesamten Leitungsabschnitts.

Das Problem: Illegale Standrohre lagern häufig über Jahre in Kellern, Garagen oder Schuppen – oft unter unhygienischen Bedingungen. In solchen Rohren können sich:

  • Bakterien
  • Keime
  • Biofilme
  • Schmutzpartikel

ansammeln.

Gelangen diese ins Trinkwassersystem, kann das erhebliche gesundheitliche Folgen haben – besonders für:

  • Kinder
  • ältere Menschen
  • immungeschwächte Personen

Hohe Strafen möglich

Der Betrieb eines Standrohres ohne vorgeschriebene Sicherung verstößt gegen die Trinkwasserverordnung.

Neben Strafanzeigen wegen Diebstahls drohen empfindliche Sanktionen. Möglich sind Bußgelder von bis zu 25.000 Euro.

Die Stadtwerke kündigen an, Verstöße künftig konsequent zur Anzeige zu bringen.

Stadtwerke rüsten auf

Um Wasserdiebstahl künftig schneller aufzudecken, verschärfen die Stadtwerke ihre Kontrollen deutlich.

Geplant sind:

  • häufigere Vor-Ort-Kontrollen
  • Einsätze auch abends und am Wochenende
  • unangekündigte Überprüfungen
  • moderne Messtechnik zur Netzüberwachung

Neue Sensorsysteme sollen ungewöhnliche Wasserentnahmen frühzeitig erkennen und betroffene Bereiche schneller lokalisieren.

Bürger sollen aufmerksam sein

Auch die Bevölkerung kann helfen. Wer verdächtige Wasserentnahmen an Hydranten oder auffällige Standrohre beobachtet, sollte dies den Stadtwerken melden.

Trinkwasser ist keine Selbstverständlichkeit

Der aktuelle Fall zeigt, wie sensibel die öffentliche Wasserversorgung ist. Sauberes Trinkwasser gehört zu den wichtigsten Ressourcen überhaupt – und seine Bereitstellung erfordert enorme technische und finanzielle Anstrengungen.

Fazit:
Illegale Wasserentnahmen sind weit mehr als einfacher Diebstahl. Sie gefährden die Sicherheit der Trinkwasserversorgung, verursachen hohe Kosten und können im schlimmsten Fall die Gesundheit vieler Menschen bedrohen. Was Einzelne illegal entnehmen, kann am Ende die gesamte Gemeinschaft belasten.